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Tag 137 – 144 Gorham bis Rangeley

Tag 137/138 8./9. 8. Zero Gorham:
Die beiden Zeros waren von uns lange herbei gefiebert, denn nach den Anstrengungen der letzten Wochen hieß es nun endlich ausspannen. Es gibt dabei eigentlich nur wenige Schwierigkeiten, ok es ist nur eine: Wo gehen wir als nächstes essen? 😀 Man kugelt beide Tage herum und versucht so viel Schlaf und Essen wie möglich mitzunehmen. So gab es bei mir nach jeder Mahlzeit immer einen Becher Eis als Nachtisch, der gemütlich im Bett vor dem Fernseher vernascht wurde. Smiley dagegen gönnte sich immer extra viel Schlaf. So passierte nichts spektakuläres in diesen beiden Tagen.
Trailmeile: 1890.9
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Tag 139 10.8. Gentian Pond Shelter:
Die letzte Nacht in einem Bett ist irgendwie immer verdammt kurz- habe ich das Gefühl. Irgendwann muss man aber aufstehen, denn der Weg ruft. Nach dem wir in der Tankstelle nebenan ein paar Sachen zum Frühstück geholt und gegessen hatten, brachte uns der Motelbesitzer wieder zurück auf den Trail. Es ging einfach los entlang eines kleinen Staudamms. Am ersten Berg fing der Schweiß sofort an zu laufen. Auf dem Gipfel gab es eine kleine Aussicht und die galt es erstmal zu genießen. Das Wetter war schwül und der Weg steinig. Nach einem Zero ist man immer mindestens genauso kaputt wie davor. Daher mache ich immer kurze Tage nachdem es aus der Stadt rausgeht. Heute ging es daher auch nur 12 Mi bis zum ersten Shelter. Kurz vor diesem Shelter ging es noch mal einen Berg hoch. Smiley rief hinter mir: “Du hast die Marke überlaufen.” Also musste ich wieder den Berg ein Stück hinunter und da war die 1900 Mi Marke. Von dort aus war es nicht mehr weit bis zu unserer Hütte. Mein Plan war es eigentlich in der Nacht Sternschnuppen zu beobachten, aber leider war es ein bisschen bewölkt.
Trailmeile: 1902.7
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Tag 140 11.8. Full Goose Shelter:
Die Wettervorhersage für heute sah Regen vor und als wir aufstanden, hatten sich die Wolken bereits zugezogen. Um kurz nach 10 begann der Regen dann ziemlich heftig in Kombination mit Hagel. Der Weg führte über lange rutschige Felszungen und offenen Moorfelder mit Stegen. An einigen Stellen gab es einfach keine Stege mehr, weil sie verrottet waren. Irgendwann kamen wir an ein Schild. Es besagte Staatsgrenze zwischen New Hampshire und Maine. Wirklich? Habe ich tatsächlich die Grenze zum letzten Staat erreicht? Ich saß dann einige Minuten wie gebannt vor diesem Schild, während es in Strömen regnete. Ich versuchte das zu verstehen, muss aber sagen, dass es mir bis jetzt noch schwer fällt zu glauben, bereits in Maine zu sein. Der Trail ist aber noch nicht ganz zu Ende und so ging es weiter. Als ich wieder mal an einen Steg kam, versuchte ich dann außen herum zu laufen. Das Ergebnis war, das mein Fuß knietief im Schlamm steckte. Immer wieder kamen wir gut ins rutschen und an einigen Stellen musste man heute sich seiner Hände bedienen. Da der Trail nur ein einziger Fluss war, waren auch die Schuhe nach ca. 2 min komplett nass. Nach 10 Mi kamen wir dann an ein Shelter. Der ursprüngliche Plan sah vor noch ein Shelter weiter zu gehen, aber vor uns lag mit dem Mahosuc Notch die schwerste und auch witzigste Meile des ganzen Weges und das war uns dann einfach zu gefährlich und zu spät, um noch das nächste Shelter zu erreichen. Es hieß also schnell aus den nassen Klamotten raus und rein in den Schlafsack zum Aufwärmen. Den Rest des Tages war also nur noch schlafen und essen.angesagt.
Trailmeile: 1912.3
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Tag 141 12.8. Baldpate Lean-to:
Die komplette Nacht regnete es weiter und die Temperaturen fielen doch ganz gut in den Keller. Am Morgen war es einfach kalt und so durfte Smiley endlich mal in kalte nasse Sachen und Schuhe klettern. Das hört sich ja immer ganz lustig an, ist es aber nicht 😀 zumindestens wenn man es das erste oder zweite Mal macht. Smiley war an der Stelle nur sauer über sich selbst, denn wenn er einen flexiblen Flug gebucht hätte, dann wäre er an der nächsten Straße weg gewesen. So ging es los und nachdem die nassen Klamotten auf Körpertemperatur waren, ging es auch ganz gut. Um 9:00 ging es dann in die Mahosuc Notch hinein und es war wirklich witzig. Es ging über und unter Felsen hindurch. In der Notch gab es an manchen Stellen noch Eisklumpen, die das ganze Jahr nicht komplett wegschmelzen. Nach 2:45 h hatten wir die härteste Meile des ganzen AT hinter uns. Danach ging der Spaß weiter, denn wir mussten noch den Mahosuc Arm hinauf. Das ist ein Berg, bei dem der Weg aufwärts quasi nur aus einem einzigen Felsen besteht. Nach dieser Anstrengung ging es aber noch auf den Speck Mt. weiter, so dass eine wirkliche Erholung erst auf dem Parkplatz am Fuße des Berges möglich war. Dort trafen wir eine nette deutsche Familie, die mit dem Wohnwagen in Richtung Niagara Fälle unterwegs waren. Sie bescherten uns eine wunderbare Trailmagic mit Äpfeln, Schokolade und die besten Weintrauben. Vielen Dank dafür! Das alles gab es dann am Abend im Shelter oder wie man in Maine sagt im Lean-to.
Trailmeile: 1924.3
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Tag 142 13.8. Hall Mt. Lean-to:
Das Wetter an diesem Morgen verhieß nichts Gutes. Dicke Wolken lagerten tief über uns und mit Sicht war dementsprechend auch nicht zu rechnen. Es ging direkt am Berg los, die Felsen hoch. Die langen Passagen aufwärts waren einigermaßen kein Problem, nur abwärts hatten wir doch gehörigen Respekt. Smiley kam einmal ziemlich ins Rutschen und legte sich auf alle Viere. Beim Abstieg riss wenigstens die Wolkendecke ein wenig auf, so dass wir einen schönen Ausblick hatten, wenn wir stehen blieben. Der Rest des Tages war wieder mal eine reine Schlammschlacht oder wenn kein Schlamm in der Nähe war, musste man sich wie im Urwald durch den zugewachsenen Weg kämpfen. In der Lean-to angekommen, gab es dann erstmal essen. Kurz nach unserer Ankunft ging es auch schon los mit den Mäusen. Sie rannten wie wild hin und her und waren überhaupt nicht scheu – na das kann ja eine Nacht werden.
Trailmeile: 1938.3
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Tag 143 14.8. Bemis Lean-to:
Der Morgen verlief ziemlich ruhig und wir standen erst später auf. Die Mäuse hatten Smiley und Chat Cat zum Wahnsinn getrieben, aber davon habe ich nichts mitbekommen. Die kleinen Nager interessieren sich für alles was nach Essen riecht oder Essensreste und irgend jemand hatte eine leere Packung Trockennahrung hier gelassen. Dementsprechend knisterte es die ganze Nacht, bis Smiley wutentbrannt das Stückchen Müll hinaus warf. Danach wurde es besser. Nach einem kleinen Abstieg sollten wir an unsere erste Furt kommen, aber das Wasser war nicht besonders hoch, so dass wir unsere Schuhe nicht ausziehen mussten. Beim zweiten Fluss zeigte sich dann das gleiche Bild, bevor wir mit dem Aufstieg auf den Bemis Mt. begannen. Die Landschaft hier ist immer wieder von großen Steinflächen gekennzeichnet und wenn man ins Tal schaut, sieht man außer Wald gar nichts. Es ist einfach menschenleerer hier oben in Maine. Im Lean-to waren wir heute Abend alleine, was auch mal nicht schlecht ist.
Trailmeile: 1951.1
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Tag 144 15.8. Rangeley:
Heute morgen sind wir wieder sehr spät los gekommen und Smiley hatte einfach keinen Bock sich zu bewegen. Die Mäuse sind in der Nacht mal wieder durchs Shelter gerannt und dementsprechend war der Schlaf eher unruhig. Unser Plan sah heute bis auf eine kleine Furt nichts vor. Wir wollten bis zum Sandy Beach laufen und dort eine Runde baden gehen. Die Überquerung stellte sich nicht als Problem heraus und nach dem Anstieg aus dem Tal heraus gab es eine schöne Übersicht über alle nahen Seen. Smiley schlug dann vor, heute schon in die Stadt zu laufen und morgen eine ruhige Kugel zu schieben. Ich hatte zwei Päckchen nach Rangeley geschickt, aber da morgen Sonntag ist, hat das Postamt nicht geöffnet. Ich fand die Idee mit der verfrühten Ankunft nicht schlecht und so gaben wir dann auf den letzten 11 Mi ordentlich Zunder. Es ging immer wieder vorbei an kleinen Seen die versteckt im Wald lagen. 4 Mi vor der Stadt rief Smiley: “Schnell aus dem Weg, ich kann meine Beine nicht stoppen.” Er zog mit einem Affenzahn an mir vorbei und erst auf dem Parkplatz an der Straße holte ich ihn wieder ein. Diese letzten 11 Mi haben wir in 4.35 h gemacht, eine äußerst gute Zeit. Das Hitch-Hiken in die Stadt funktionierte problemlos und so konnten wir geduscht, uns eine ordentliche Mahlzeit beim Restaurant zur roten Zwiebel gönnen. Das Farmhouse Inn liegt ziemlich schön gelegen an einem See, da kann man einfach auch mal die Seele/Beine baumeln lassen.
Trailmeile: 1968.8
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